The Collected Guitar Duets

Bibliographische Angaben:

Antoine de LHoyer
Bände I-III
Hrsg.: Erik Stenstadvold
Chanterelle Heidelberg

Edition in drei Bänden mit jeweils einer CD pro Band.

ECH 1011, ECH 1012, ECH 1013

Die Gesamtausgabe aller Gitarrenduos von Antoine de LHoyer (1768-1852) durch den norwegischen Gitarristen und Musikwissenschaftler Erik Stenstadvold darf man ohne weiteres als herausragende Publikation eines ebenso herausragendes Repertoires bezeichnen, und zwar in mehrfacher Hinsicht:

Der hohe Repertoirewert steht natürlich im Vordergrund der Betrachtung. Warum jedoch blieb LHoyer so lange „unentdeckt“; warum haben die Gitarristen LHoyers Werk vernachlässigt? Darüber lässt sich leicht spekulieren. Ein Grund könnte in der Art des Repertoires liegen. LHoyer hat wenig vergleichbar hochwertiges Repertoire für Sologitarre hinterlassen. Aus meiner Sicht scheint es, als hätten Gitarristen sich immer an der Solomusik orientiert, um den Rang eines Komponisten zu bestimmen. So erscheint der Name auch selten auf Programmen der führenden Gitarristen.

Wichtig für ein vertiefendes Verständnis sind die Anmerkungen zur Aufführungspraxis. Erik Stendstadvold ist eine Experte in diesen Fragen, er hat einen umfassenden Überblick über die Quellen der Zeit und kennt die wichtigen Lehrwerke. Insbesondere die Bedeutung von Bindungen, Ausführungen von Punktierungen im Kontext von Triolen, die Bedeutung von Punkten als Artikulationszeichen (nicht immer ist damit Staccato gemeint) sind immer wieder ein ungeklärte Fragestellungen. Anhand geeigneter Beispiele sind all diese wichtigen Interpretationsfragen erörtert.

Unbedingt soll an dieser Stelle vermerkt werden, dass es sich um eine Kritische Ausgabe handelt, d. h., dass die editionstechnischen Prinzipien im Vorwort erörtert sind. Eine beliegende CD enhält darüber hinaus noch einen Revisionsbericht, weitere biographische Informationen und mp3- und MIDI-Dateien, die als „Sparringspartner“ für das eigene Üben dienen können. Das mag etwas unüblich sein für eine Ausgabe, die wissenschaftlichen Ansprüchen entspricht, ist jedoch aus praktischer Sicht recht nützlich.

In Zusammenhang mit dieser Internetseite ist noch zu bemerken, dass der Schwierigkeitsgrad der Werke recht unterschiedlich ist. Einige zweisätzige der Serenaden Op. 36 sind auch in der Musikschule als Mittelstufenliteratur denkbar und insbesondere als Literatur für Wettbewerbe geeignet, während die Duos Op. 34 anspruchsvolle Konzertliteratur repräsentieren.

 

Fazit: Dies ist fast vergessene Literatur in perfekter Edition, einschließlich eines sehr informativen Textes.

Viel Gewinn für Unterricht und Vorbereitung und auch für das eigene Spiel

Michael Sieberichs-Nau

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