Gitarre lernen macht Spaß

Bibliographische Angaben:

Gitarre lernen macht Spaß
Mike Eulner und Claudia Tippelt
Edition Metropol Musikverlage, Köln
ISMN M-50163-929-8
EMB 929





Mike Eulner ist als Autor von Lehrwerken und verschiedenen Ausgaben den meisten Gitarrenlehrern ein Begriff. Eine Gitarrenschule aus seiner Werkstatt gab es früher schon einmal in einem anderem Verlag, doch hat dieser die den Betrieb eingestellt; somit ist die alte Schule nicht mehr erhältlich. Edition Metropol hat nun die Idee aufgegriffen und so eine neue Gitarrenschule herausgegeben, in der Mike Eulner gemeinsam mit Claudia Tippelt die alte Schule von Grund auf überarbeitet haben. Beide Autoren betreiben in Köln gemeinsam eine Musik- und Kunstschule; so ist der Praxisbezug und die Überprüfung in der täglichen Unterrichtsarbeit ebenso gewährleistet wie der wahrscheinlich tägliche Austausch beim Verfassen des Lehrwerks.

Im Vergleich zu der früheren Gitarrenschule hat sich am Grundansatz nur geringfügig verändert. Einige Beispiele aus dem alten Buch sind durch neue Beispiele ersetzt worden, die grundsätzliche Methodik ist jedoch erhalten geblieben. Das gesamte Programm, das heißt, der Umfang der Lerninhalte, ist beachtlich. Dabei ist jedoch jeder Inhalt deutlich umrissen, alles wird sehr anschaulich erklärt, Formulierungen sind einfach und verständlich gehalten, so dass ggf. auch im Selbststudium erarbeitet werden kann, was nach dem Unterricht noch einmal wiederholt werden sollte.

Das methodische Konzept schließt leichtes Akkordspiel in einem sehr frühen Stadium ein, was der Grundvorstellung vieler Gitarrenschüler sehr entgegenkommt und den Schüler dementsprechend motiviert. Melodie- und Akkordspiel stehen daher über weite Strecken gleichberechtigt nebeneinander – eine wichtige Anlage des Konzepts und ein klarer Gegensatz zu älteren Lehrwerken wie den Schulen von Kreidler oder Scheit, die über einen lange Zeit ausschließlich mit Apoyando und reinem Melodiespiel arbeiten. Die Auswahl der Musikbeispiele ist deutlich an popularer Musik orientiert, bietet aber eine ausreichende Bandbreite, um den stilistischen Horizont der Schüler zu erweitern. Doch enthält die Schule auch Beispiele aus der ersten Blütezeit der Gitarre im 19. Jahrhundert, also der Zeit Giulianis, Sors, Carullis und deren Zeitgenossen. (Nebenbei bemerkt, bei Scheit und Kreidler dauert es viel länger, bis der Schülern der Zugang zu dieser originalen Gitarrenmusik ermöglicht wird.) Aus meiner Sicht ist der Ansatz der Eulner/Tippelt-Schule sehr modern. Die bunte Aufmachung soll nicht täuschen, Methodik und Ausarbeitung sind sehr durchdacht, jedes Kapitel unterliegt einem gleichbleibenden Schema: Eine Besonderheit der Schule erkennt man, wenn man den Lernablauf der Technik der rechten Hand skizziert. Diese Vorgehensweise hat zweifellos Vorteile. Inhalte der Notation können so leichter gelernt werden. Rhythmische Genauigkeit, ein unverzichtbarer Inhalt für das Zusammenspiel, und Notenkenntnis werden so im Mittelpunkt des Unterrichtens gestellt. Umgekehrt ist dann später die Erarbeitung einer fundierten Anschlagstechnik nicht durch Probleme mit dem Notenlesen belastet. Jedes Kapitel behandelt einen Hauptinhalt, und dies ist wohl auch eines der Grundsätze des Konzepts.

Wie schon gesagt, inhaltlich ist das Werk sehr anspruchsvoll. Es reicht jedenfalls bis in die Mittelstufe, kann aber von guten und begeisterten Schülern durchaus in angemessener Zeit bewältigt werden. Aus meiner Sicht ist das Buch (der Begriff »Heft« wäre hier angesichts des Umfangs unpassend) besonders für jugendliche Anfänger und auch Erwachsene, also Spätberufene, geeignet. Diese Gruppe wird hier ein passendes Lehrwerk finden.

Fazit: eine Bereicherung für den Unterricht, mehr als nur eine Alternative zu anderen etablierten Lehrwerken, moderne, bewusst weitgefasster methodischer Ansatz, Ensemblespiel in breiter Stilistik.

Michael Sieberichs-Nau

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