DE COLORES

Bibliographische Angaben:

DE COLORES
Burkhard Blady
Farbenfrohe Folklore aus Spanien und Lateinamerika für Gitarrenensemble und gemischtes Ensemble
Heinrichshofen Verlag, Wilhelmshafen
ISMN M-2044-2476-4
N 2476

»Farbenfrohe Folklore aus Spanien und Lateinamerika für Gitarrenensemble und gemischtes Ensemble«, Titel und Untertitel sagen es gleich aus, die Folklore aus spanischsprachigen Ländern liegt hier in farbenfrohen Sätzen vor. Dem entspricht auch die Gestaltung des Umschlags, der gleich einen Eindruck von den Sätzen gibt. Farbenfroh ist im eher übertragenden Sinne auch die Vielfalt der Besetzungen. Alle Sätze sind als vierstimme Partitur mit Einzelstimmen konzipiert, eine Ausführung als Trio, in diesem Fall nur mit den drei Oberstimmen, ist ebenfalls möglich. Die vierte Stimme ist somit eine Ad-Libitum-Bassstimme, die eigentliche Gitarrenstimme ist in der dritten Stimme notiert. Auch wenn einen Ausführung mit drei Instrumenten keine Wünsche offenlässt: Ein Bass, der mehr bietet als nur die Grundtöne der Akkorde und melodisch eigenständig ist, ist musikalisch wesentlich interessanter als dies bei einer Trioaufführung der Fall ist.

Dies Variabilität ist auch einer der Pluspunkte der Ausgabe. Variabel ist jedoch nicht nur die Besetzungszahl. Auch die Instrumentierung bleibt offen. Vor allem in den oberen beiden Stimmen ist dies durch die Einklammerung der Acht unter den Schlüsseln kenntlich gemacht. (In meinen eigenen Ausgaben habe ich mich zu genau der gleichen notationstechnischen Lösung entschieden.) Die dritte Stimme ist wie schon gesagt die eigentliche Gitarrenstimme, Stimme vier ist einfach als Bassstimme bezeichnet. Gleichwohl lassen sich alle Stimmen mit Gitarren besetzen, dies ist sowohl chorisch als auch solistisch denkbar. Die Gitarrenstimme wäre dann noch, um die Variabilität der Besetzung noch zu steigern, auch für Harfe oder Zither denkbar. Beim praktischen Musizieren sind jedoch einige Punkte zu beachten:
  • Je nach Besetzung der Stimmen kommt es durch Oktavierung, bwz. Nichtoktavierung einzelner Stimmen zu Stimmkreuzungen. Die Korrektheit des Tonsatzes ist dabei allerdings, falls mein schneller Blick durch die Partitur nicht täuscht, nie gefährdet.
  • Je nach Melodieinstrument müssen vom Lehrer Transpositionen vorgenommen werden. Das betrifft vor allem B-Klarinetten.
  • Die Sätze sind auf sehr einfache Art harmonisiert, gerade das entspricht dem Stil des volksmusikalischen Spiels und ist insb. für die südamerikanischen Sätze genau angemessen.
  • Sofern Gitarre als Melodieinstrument mit anderen Melodieinstrumenten gemischt wird, sollte nicht nur aus Gründen des Tonsatzes die Gitarre eher die tiefere Stimme spielen. Aber das ist meine persönliche Geschmacksache.
  • Die erste Stimme erfordert schon Lagenkenntnisse, während die zweite Stimme meist in der ersten, höchstens in der zweiten Lage eingesetzt wird. Die Tonartenwahl ist dabei jedoch für die Gitarre immer günstig.
  • Von der Konzeption der spieltechnischen Anforderungen ist die Ausgabe sehr einheitlich, damit lohnt die Anschaffung, zumal der Preis durchaus moderat ist.
Die Gestaltung einer Ausgabe unter dem Gesichtspunkt der variablen Besetzung ist ein sinnvolles Konzept und genau an der Berufspraxis orientiert. Der Heinrichshofen-Verlag hat hiermit genau eine Lücke getroffen. Vor allem finde ich die Sätze gerade in ihrer Struktur sehr passend für den Stil der Lieder. Das alles lässt diese Ausgabe sowohl für den Unterricht als auch für Vorspiele mit Schülern als wichtige Bereicherung erscheinen.

Michael Sieberichs-Nau

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